Blogartikel: Hindernisse auf dem Weg aus der Essstörung

Die Steine auf dem WEg...

Viele Betroffene kämpfen oft jahrelang, mit vielen Höhen und Tiefen, um sich aus der Essstörung zu befreien. Einige von ihnen geben den Kampf letztlich auf. Sie sind enttäuscht von sich, den Therapeuten und vom Rest der Welt. Im Grunde scheitern sie an den 3 Steinen, die leider IMMER auf dem Weg aus der Essstörung liegen.

1. Stein: Die Kontrolle aufgeben

Kontrolle spielt im Leben einer essgestörten Frau eine sehr wichtige Rolle. Es wird so ziemlich alles kontrolliert, was sich kontrollieren lässt. Nichts wird dem Zufall überlassen, sei es im Beruf, in der Freizeit, oder im Privatleben. Das Leben vieler Essgestörter ist bis auf die letzte Minute durchgetaktet, alles wird bis ins Kleinste geplant. Das hierbei das Erspüren der eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu kurz kommt, ist eine traurige Folge dieses Hamsterrades.

Um den Heilungsprozess in Gang zu bringen, ist es jedoch UNERLÄSSLICH, die Kontrolle über die eigenen Gefühle loszulassen und ihnen freien Lauf zu geben. Vielen ist dies peinlich. Sie trauen sich nicht zu weinen und über tiefsitzende psychische Wunden zu sprechen. Es ist wie nach einer Operation wenn die Betäubung nachlässt und man plötzlich die Schmerzen spürt - die man ja eigentlich nie mehr spüren wollte. Viele essgestörte Frauen können es nur schwer ertragen, diesen "negativen" Gefühle wie Versagen, Hass, Enttäuschung und Trauer scheinbar hilflos ausgeliefert zu sein. Für sie bedeutet es einen Kontrollverlust. Also schnell wieder zurück in die Essstörung. Hier bestimmt man selbst die Regeln. Hier hat man alles unter Kontrolle....

2. Stein: Die Abhängigkeit

Auch wenn es sich hierbei nicht unbedingt um eine stoffgebundene Abhängigkeit handelt, so ist man dennoch süchtig. Aufs Essen zu verzichten, Fressattacken nachzugeben, sich zu übergeben, ständig Kalorien zu zählen, übermäßig Sport zu treiben.... All das lässt sich nicht so leicht ablegen, wenn es zur alltäglichen Gewohnheit geworden ist und als Stressventil dient. Die Abhängigkeit macht Betroffenen immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

3. Stein: Der Suchtgewinn

Diesem Begriff liegt der Gedanke zugrunde, dass alles was wir tun, für uns einen Gewinn oder Nutzen bringt - sonst würden wir es nicht tun. Auch eine Essstörung bringt den Betroffenen einen Nutzen. Vielleicht hilft er der Betroffenen mit den Herausforderungen des Lebens besser zurechtzukommen, vielleicht bringt er ihr ja auch eine gewisse Anerkennung ("Du hast eine tolle Figur", "Deinen eisernen Willen hätte ich auch gerne", "Deine Zielstrebigkeit ist bewundernswert"...) Eine Essstörung ist für Betroffene eine Medaille mit zwei Seiten. Einerseits empfinden sie ihre Essstörung als ekelhaft und möchten davon loskommen und ein "normales" Leben führen, andererseits werden sie von etwas behindert, dass alle Süchtigen in ihrer Sucht gefangen hält: Ein Alkoholiker z.B. wird seine Sucht ebenfalls als scheußlich beschreiben, dennoch kennt er das gute GEFÜHL, wenn er eine Flasche öffnet und trinkt. Eine Frau, die unter Bulimie leidet, wird es als abstoßend ansehen, alles in sich hineinzufressen und danach ins Klo zu kotzen. Aber auch sie kennt das gute GEFÜHL, wenn sie sich von all den hochkalorischen Lebensmitteln befreit hat. Und jemand der sich die Arme ritzt, wird nichts Schönes daran finden, wenn Narben zurückbleiben... und dennoch, auch sie kennt das gute GEFÜHL sich Erleichterung verschafft zu haben.

Ich glaube, die eigentliche Sucht ist die Sucht nach einem bestimmten GEFÜHL - nach dem Gefühl der Liebe, Anerkennung und Selbstbestimmtheit. Jeder Betroffene darf sich glücklich schätzen, wenn er dieses Gefühl in gesünderen Bereichen wiederfindet und sie ihn genauso ausfüllen.

Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

Schreibe sie einfach ... und teile mit uns deine Erfahrungen....


Mirjam Kettner

beratungsgespraeche-fuer-frauen.de


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Kommentare: 1
  • #1

    Patricia Beatrice Weissner (Samstag, 28 Januar 2017 17:59)

    Der Text ist Super kann man sich voll mit identifizieren mit.Du hast vollkommen recht.